Volksgruppen ORF.at Kroaten
Di | 26.11.2013
Exkursionsteilnehmer im Bus. (Bild: ORF)
26.9.2011
90 Jahre Bgld.: Exkursion zur Grenze
Das wissenschaftliche Institut der Burgenlandkroaten sowie der kroatische Kulturverein veranstalteten am Samstag eine ganztägige Exkursion zu kroatischen Ortschaften an der österreich-ungarischen Grenze.
Anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Burgenlandes als jüngstes Bundesland Österreichs gab es Referate zur Entstehung der Grenze vom Ende des Ersten Weltkrieges bis 1924. Auch über das damalige Stimmverhalten der Burgenlandkroaten wurde berichtet.
Ungarn wollte Burgenland nicht hergeben
Die Exkursion wurde vom Historiker Nikola Bencsics geleitet. Besucht wurden die Ortschaften Kopháza/Koljnof (H), Nikitsch/Filež, Szentpéterfa/Petrovo Selo (H) und Schandorf/Čemba.

Im Vertrag von Saint Germain im September 1919 wurden Österreich Teile der mehrheitlich deutschsprachigen Komitate Westungarns - Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg einschließlich der Stadt Ödenburg - zugesprochen. Ungarn nahm das allerdings nicht so hin, und es setzte ein Feilschen um das Burgenland ein.

Nikola Bencsics und Imre Tóth referieren über die Volksabstimmung in Kopháza

Bei der Grenzziehung gab es verschiedene Vorschläge
Kopháza: 70 Prozent stimmten für Ungarn
In Kopháza/Koljnof erfuhren die Exkursionsteilnehmer Details zur Volksabstimmung, die am 14. Dezember 1921 in Sopron und am 16. Dezember in acht Ortschaften in der Umgebung Soprons, darunter auch in Kopháza, abgehalten wurde. Auch wenn damals Kopháza mehrheitlich von Kroaten bewohnt war, stimmten 70 Prozent der Einwohner für einen Verbleib bei Ungarn.

Vor allem wirtschaftliche Gründe waren damals für das Stimmverhalten verantwortlich, so der Historiker Nikola Bencsics. Die Bauern aus Kopháza wollten ihre Erzeugnisse auch weiterhin am Markt in Sopron verkaufen, weil die Stadt am nächsten lag.

Der Urbarialwald von Niktisch war ein Streitpunkt bei der Grenzziehung
Nikitscher wollten nicht auf Wald verzichten
Der konkrete Verlauf der Grenze war in den beiden Friedensverträgen nur in groben topographischen Fixpunkten vorgegeben worden. Eine Grenzkommission hielt im Frühling 1922 mehrere Anhörungen in den strittigen Gebieten ab. Bei den Bittschriften der einzelnen Ortschaften an den Völkerbund standen in erster Linie wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund.

Felder, Äcker und Großgrundbesitz sollten möglichst nicht geteilt werden, und auch die nächstgelegenen Märkte sollten leicht erreichbar sein. Ähnlich war es in Nikitsch/Filež: Der Urbarialwald sollte geteilt werden. Als man der Gemeinde zusicherte, dass dieser erhalten, aber dafür der Wald im Besitz des Grafen Zichy an Ungarn fallen sollte, waren die Nikitscher für den Verbleib bei Österreich.

Die Exkursionsteilnehmer vor dem Denkmal in Szentpéterfa in Ungarn

Hier werden jene Orte angeführt, die erst 1923 bzw. 1924 zu Ungarn kamen
Szentpéterfa kam 1923 zu Ungarn
Die Exkursion führte auch nach Szentpéterfa. Hier wurde 1933 ein Gedenkstein errichtet, auf dem in ungarischer Sprache jene Orte angeführt sind, die zuletzt nach Ungarn kamen. Das waren 1923 die Ortschaften Felsőcsatár, Horvátlövő, Narda, Pornóapáti und Vaskeresztes.

Auch Szentpéterfa/Petrovo Selo und Ólmod/Plajgor kommen vor, diese wurden allerdings als letzte an Ungarn zurückgegeben. Pornóapáti/Pornova sollte z. B. bei Ungarn bleiben, weil es ein lokal wichtiges E-Werk beheimatete. Ohne dieses wäre Szombathely/Steinamanger ohne Strom gewesen. Topographisch war die neue Grenze zwischen Österreich und Ungarn bis Juli 1924 endgültig fixiert.