|
|
|
|
|
 |
|
|

|
|
Serbische Mönche halten durch
Die Kontrollen der italienischen Soldaten vor dem altehrwürdigen serbisch-orthodoxen Patriarchat in Pec (albanisch: Peja) im Westen des Kosovo sind etwas lockerer geworden. Doch die scheinbare Entspannung täuscht.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Die dort lebenden knapp 30 Schwestern klagen genauso wie die etwa 30 Mönche im nahe gelegenen Kloster Decani. Mitten in einer feindlich gesonnenen albanischen Umgebung sind die mittelalterlichen Klosteranlagen, seit kurzem auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes, völlig isoliert. Und dennoch. "Wir halten für alle Zeiten durch", beteuern die Brüder und Schwestern trotzig. |
|
|
|
|
|
|
|
|
"Wir sind ja weitgehend Selbstversorger"
"Wir können die Klöster nur mit militärischem Begleitschutz der Italiener verlassen", berichten sie. Niemand will seinen Namen in der Zeitung sehen und alle wollen nur unter dem Schutz der Anonymität reden. Großeinkäufe werden in Serbien erledigt. "Wir sind ja weitgehend Selbstversorger", heißt es. Selbst die Arztbesuche müssen im "Mutterland" stattfinden. Wenn es einmal einen medizinischen Notfall gibt wie im vorigen Jahr der durch ein Rind verletzte Mönch, sorgen die italienischen Bewacher für den schnellen Abtransport.
|
|
|
|
|
|
|
|
Zuwendungen der serbischen Regierung
Das alte Patriarchat aus dem 13. und die prächtige Kirche von Decani aus dem 14. Jahrhundert werden mit Zuwendungen der serbischen Regierung und mit großzügigen ausländischen Spenden am Leben erhalten. Beide Klosteranlagen machen auf den ersten Blick einen besseren Eindruck denn je.
Die Wohngebäude sind von Grund auf saniert. Seit neuestem wird die Kirche in Decani sogar beheizt. Im Eingang stehen drei neue Glocken bereit.
Besucher werden im nagelneuen "Salon" mit selbst gebranntem klarem Schnaps, süßem Gebäck und starkem Kaffee begrüßt.
|
|
|
|
|
|
|
|
Unsicherheit und Mutlosigkeit
Doch hinter dieser Fassade ist Unsicherheit und Mutlosigkeit bei den Gesprächspartnern mehr als deutlich. "In der zweitgrößten Kosovo-Stadt Pec leben nur noch 14 Serben", sagt man in Decani. "Vier, fünf Familien halten noch aus", weiß man im Patriarchat. Vor langer Zeit hätten die Serben hier noch die Mehrheit gestellt. "Heute findet man im Westen höchstens noch 2.000 von ihnen", sagen die Mönche. Und die wohnen abgeschottet auf dem Land. "Ohne städtischen Hintergrund sind die Serben hier zum Aussterben verurteilt", lautet die Analyse.
|
|
|
|
|
|
|
|
"Inseln im albanischen Meer"
Und wenn die letzten Landsleute gegangen sind und die früheren mittelalterlichen serbischen Geisteszentren "Inseln im albanischen Meer" geworden sind - was wird dann? Darüber mag niemand laut spekulieren. Alle machen sich gegenseitig Mut. "Wir bleiben hier - immer!", heißt es ohne Ausnahme. Albaner hatten in der Vergangenheit immer wieder die alten Gemäuer attackiert. Das erste Urteil gegen einen Albaner zu drei Jahren Haft, der 2007 auf Decani eine Granate gefeuert hatte, wurde bei den Serben mit Genugtuung aufgenommen.
|
|
|
|
|
|
|
|
Fundamentalistisch anmutenden Positionen
Zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört im Kosovo noch das 700 Jahre alte Kloster Gracanica vor den Toren der Hauptstadt Prishtina (serbisch: Pristina).
Hier regiert der serbisch-orthodoxe Bischof Artemije, der sich mit seinem fundamentalistisch anmutenden Positionen nicht überall Freunde gemacht hat. Der radikale Geistliche lehnt jede Zusammenarbeit mit der kosovarischen Regierung und den internationalen Organisation selbst beim Wiederaufbau zerstörter Sakralbauten ab.
Längst nicht alle Klöster tragen den Appell Artemijes mit, die serbische Armee müsse die ehemalige serbische Provinz Kosovo zurückerobern.
Der tiefe Konflikt zwischen den "Extremisten" und "Moderaten" erschüttert die ohnehin äußerst schwache Position der serbisch-orthodoxen Kirche im Kosovo zusätzlich.
|
|
|
|
|
|