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Diskriminierung von Migranten
Ein Kind mit Migrationshintergrund, das nicht perfekt Deutsch spricht, verliert im Unterricht den Anschluss und stört seine Klassenkollegen:
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Vorurteile strukturell verankert
Das ist eines der Vorurteile, wegen denen Migrantenkinder an Schulen bei Beurteilungen und Entscheidungen während der Schullaufbahn diskriminiert werden, sagt Mechtild Gomolla, Bildungsforscherin an der Uni Hamburg. Sie sieht den Ursprung dieser Vorurteile nicht in den Köpfen einzelner Menschen, sondern strukturell verankert. Im Rahmen des dritten Dialogforums der Donau-Uni Krems zu "Migration geht alle an" thematisierte sie heute, Freitag, in Gmunden die "institutionelle Diskriminierung" und wie man dagegen ankämpfen kann - und muss. |
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Negativentscheidungen
Ob an Kindergärten, Universitäten, Schulen oder in der Berufsbildung: "Institutionelle Diskriminierung ist in erster Linie in Strukturen und zentralen gesellschaftlichen Organisationen angelegt", erläutert Gomolla im APA-Gespräch. So fällen Lehrer oder Schulleiter bei der Einschulung, beim Übergang nach der vierten Schulstufe oder der Überweisung an Sonderschulen "permanent Negativentscheidungen, die am Sprachstand der Kinder oder manchmal auch dem kulturellen Hintergrund, dem Wohnumfeld und der religiösen Orientierung" festgemacht werden. Meistens seien diese Entscheidungen nicht auf Vorurteile der Verantwortlichen zurückzuführen, "sondern auf Handlungsoptionen und strukturellen Bedingungen an Schulen".
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Deutschland
In Deutschland habe sich der Missstand entwickelt, dass immer wieder Migrantenkinder bei der Einschulung zurückgestuft werden. Strukturelle Rahmenbedingungen - wie beispielsweise fehlende Mittel für zusätzliche Sprachförderung - spielen eine große Rolle dabei, "ob Kinder als Problemfälle wahrgenommen werden oder nicht", so Gomolla. Mit Sprachdefiziten werden oft andere Probleme assoziiert, "mangelnde Schulfähigkeit" werde dann als legitimes Argument für eine Rückstellung genannt. "Solche Entscheidungsmuster führen dann oft zu negativen Bildungsverläufen."
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Österreich
Auch in Österreich sieht Gomolla ähnliche Tendenzen wie in Deutschland "was die Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund angeht". Forschung und Politik tendieren dazu, Ursachen im Elternhaus zu suchen, "aber es wäre wichtig, hier ganz systematisch in den Blick zu nehmen, welchen Beitrag die Schule am Abbau von Bildungsungleichheit leisten kann". Dabei setze man heute verstärkt auf Inklusion, die nicht mehr nur mit der Integration von behinderten Kindern assoziiert, sondern auch auf sämtliche Differenzen wie Geschlecht und ethnische Herkunft ausgeweitet werde.
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Umfassendere Strategien
Das heißt: Statt - vor allem sprachlichen - Zusatzangeboten zum Unterricht braucht es umfassendere Strategien, die diskriminierungs-und rassismuskritische Bildung mit Initiativen verbinden, die Unterschiede beim Bildungserfolg aufgrund von Migrationshintergrund, sozio-ökonomischem Status oder Geschlecht abbauen sollen. Kurz: Mainstreaming (ähnlich wie bei Gender-Fragen) auf allen Ebenen von Unterricht und Schule. "Schulen benötigen dafür Rahmenstrukturen, Anleitung und Unterstützungssysteme", so Gomolla zur APA, "aber auch bereits in der Lehrerausbildung und später -fortbildung muss das verankert werden."
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Einzelne Schulbezirke separieren Migrantenkinder
Vor allem in der lokalen Schulentwicklung müsse angesetzt werden, so Gomolla. Viele Eltern würden davor zurückschrecken, ihre Kinder in Schulen mit hohem Migrantenanteil zu schicken, weil diese oft mit einem niedrigen Leistungsniveau gleichgesetzt werden. Hinzu kommt, dass einzelne Schulbezirke bewusst so geschnitten würden, um Migrantenkinder zu separieren.
Im Schweizer Kanton Zürich setzt man mit der Strategie "Qualität in multikulturellen Schulen" (QUIMS) genau an dem Problem der "Ghettoschulen" an. Dabei wird der Mainstream-Ansatz flächendeckend institutionalisiert und kontrolliert; Fragen der Differenz und Chancengleichheit fließen in die Qualitätssteuerung von Schulen ein. "So können wir sicherstellen, dass auch in Schulen mit hohem Migrationsanteil ein hohes Leistungsniveau herrscht und toller Unterricht gemacht wird", meint Gomolla.
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"Kombiniert mit geschickter, lokaler Schulpolitik" wie der Lenkung von Schülerströmen, so Gomolla, "kann man in den einzelnen Schulen Veränderungen bewirken." Immerhin wirkt sich Diskriminierung von Kindern nicht nur auf die folgende Schullaufbahn aus - "was da an den Schulen vermittelt wird, hat eine ganz hohe soziale und emotionale Komponente". |
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