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Di | 26.11.2013
KZ Sachsenhausen
23.11.2009
Vernichtung der tschechischen Eliten
"Vergessene Vernichtung? Polnische und tschechische Intelligenz in den Konzentrations-lagern Sachsenhausen und Ravensbrück zu Beginn des Zweiten Weltkrieges" wurde gestern eröffnet.
"Mit der Ausstellung wollen wir deutlich machen, dass der Zweite Weltkrieg von Anfang an kein normaler Krieg, sondern ein rassistischer, nationalistischer und antisemitischer Vernichtungskrieg war", sagt der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch.

Ziel war, die osteuropäischen Völker im Kern zu zerstören und sie zu Arbeitssklaven zu machen.

"Gerade die versuchte Vernichtung der polnischen Intelligenz ist in Deutschland größtenteils vergessen. In Polen und Tschechien dagegen sind die Ereignisse tief im kollektiven Gedächtnis verankert."
KZ Sachsenhausen
Fast 700 Exponate sind in dem gemeinsamen Projekt der Gedenkstätte mit der Krakauer Jagiellonen-Universität und der Prager Karls-Universität zu sehen. Einiges wird erstmals in Deutschland gezeigt, so Mobiliar des Hörsaales, in dem die Professoren 1939 verhaftet wurden. Zudem beschäftigen sich Wissenschafter aus Deutschland, Polen und Tschechien auf einer dreitägigen Konferenz mit dem Thema.
Milena Jesenská 1896-1944
In der Gedenkstätte Ravensbrück im nordbrandenburgischen Fürstenberg nimmt sich ein kleiner Teil der Schau des Schicksals polnischer und tschechischer Frauen an, die nach Kriegsbeginn in das damalige Frauen-KZ deportiert wurden. Besonders interessant ist die Geschichte von zwei prominenten tschechischen Journalistinnen: Milena Jesenská (1896-1944), die zum Freundeskreis Franz Kafkas gehörte, und Jožka Jabůrková starben beide in Ravensbrück.
Jožka Jabůrková
Während Prag nach dem Krieg allein das Andenken an die linientreue Kommunistin Jožka Jabůrková (1896-1942) wachhielt, wurde deren Denkmal auf einem Prager Friedhof nach der "Samtenen Revolution" 1989 entfernt.

Das demokratische Tschechien konzentrierte sich in seiner Erinnerung zunächst auf Jesenská, die sich nach den stalinistischen Säuberungen in Moskau vom Kommunismus abgewandt hatte. Erst 2002 wurde auch Jabůrkovás Statue wieder aufgestellt.