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Di | 26.11.2013
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19.3.2011
Zivil-Miliz terrorisiert Dorf der Roma
Laut Informationen des European Roma Rights Centers (ERRC) sowie von Amnesty International marschieren im ungarischen Dorf Gyöngyöspata seit zwei Wochen jede Nacht Mitglieder der ungarischen Garde auf, um gegen die "Zigeuner" zu protestieren.
Der Bürgermeister des Dorfes, eine Gemeinde am Südrand der Matra im Norden Ungarns, habe die rechtsradikale "Bürgerwehr" gerufen. Zwischen fünfhundert und tausend "Gardisten" seien Tag und Nacht vor Ort, ausgerüstet mit Axt-ähnlichen Waffen, verfolgen sie Roma bis zum Supermarkt aber auch Kinder auf dem Weg zur Schule.

Einige Mitglieder der Garde seien sogar in ein Klassenzimmer der lokalen Schule gegangen, um ihre Hasstiraden zu skandieren.

Die Polizei sei laut Berichten des ERRC zwar vor Ort, scheue jedoch eine direkte Konfrontation mit der Garde und werde nicht eingreifen bis "es zu konkreter Gewalt" komme.
Ágnes Daróczi
Die Lage spitzt sich zu
Ágnes Daróczi, Trägerin des europäischen Bürgerrechtspreises der Roma und Sinti 2010, berichtet im Interview mit Gilda Horvath für Radio Kaktus von der schrecklichen Situation in Gyöngyöspata .

"Die Menschen haben Angst hinauszugehen. In der Nacht skandiert die Garde Hass-Tiraden, am Tag werden die Roma im Dorf verfolgt und beleidigt. Die ungarische Garde provoziert die Roma, macht sie seit Wochen mürbe. Die Roma hier wollen sich nicht provozieren lassen und bleiben friedlich - aber wie lange noch?"
"Wer finanziert die Garde?"
Auch den Vorwurf der "Roma-Kriminalität" weist Ágnes Daróczi entschieden zurück. "Im letzten Jahr gab es im Dorf Gyöngyöspata 65 Straftaten - das ist nicht mehr und nicht weniger als in anderen Dörfern."

Zu hinterfragen sei außerdem auch wer die ungarische Garde als Bewegung finanziert, so Darcozi weiter. Immerhin koste es viel Geld, dass diese Mitglieder der ungarischen Garde seit Wochen im und um das Dorf herum ausharren, um den Menschen Angst zu machen.
Sarközi traf Pröll und Fekter
Rudolf Sarközi, Vorsitzender des Volksgruppen-beirates der Roma, traf Vize-Kanzler Josef Pröll sowie Innenministerin Maria Fekter zum Gespräch.

Hauptthemen waren die Volksgruppen-förderdung, die seit 10 Jahren nicht mehr an die Inflation angepasst wurde."Die ursprüngliche Förderung ist um ein Drittel geschmolzen", erklärte Sarközi.

Weiters wurde über das Bettelverbot sowie die europäische Situation der Roma debattiert.