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Di | 26.11.2013
Romani Rose / DPA
2.9.2008
Kirche sagt bewusst "Zigeuner"
Trotz der Kritik des Zentralrats der Sinti und Roma will die katholische Kirche in Deutschland weiter von "Zigeunern" sprechen.
Die Kirche wisse um die negativen Assoziationen, die dem Wort anhaften und um die historische Belastung durch die Verbrechen der Nationalsozialisten, so der Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, beim VI. Weltkongress der "Zigeuner-Seelsorge" in Freising.
Romani Rose: "Zigeuner" ist rassistisch
Andererseits wolle die Kirche gerade deshalb weiter von "Zigeunern" sprechen, weil das Wort durch jahrhundertealte Vorurteile besudelt und bei Nazi-Verbrechen missbraucht worden sei.

Durch die Wiedereinführung solle dem Begriff seine Würde und Bedeutung zurückgegeben werden, erklärte Trelle.

Der Zentralrat der Sinti und Roma hatte der katholischen Kirche vorgeworfen, mit der Begriffsverwendung Vorurteile zu schüren und außerdem den Blick auf die Minderheit zu verstellen.

Der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, erklärte, der historische Begriff "Zigeuner" sei untrennbar mit rassistischen Zuschreibungen und tief verwurzelten Stereotypen verbunden.
Rechte der Minderheiten schützen
Bei dem Kongress hat die katholische Kirche die Staaten dazu aufgerufen, Diskriminierung und Rassenfeindlichkeit gegen Roma und Sinti einzudämmen.

Es müssten Regelungen gefunden und angewandt werden, die Rechte der Minderheiten zu schützen, sagte Erzbischof Agostino Marchetto vom Päpstlichen Rat für Migranten und Menschen in Freising. Sie seien vielfach benachteiligt, vor allem was die Bildungschancen angehe:

"In die Jugend muss investiert werden, man muss ihr eine Ausbildung ermöglichen." Bischof Trelle sprach von der Notwendigkeit, den Teufelskreis von mangelnder Ausbildung und Qualifizierung, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit endlich zu durchbrechen.
Fingerabdrücke sind Diskriminierung
Die Kirche wolle die jungen Menschen dieser Volksgruppen ermutigen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und "ihre eigene Würde und ihre eigenen Rechte zu verteidigen", sagte Marchetto.

Die Pläne der italienischen Regierung, Roma und deren Kinder per Fingerabdrücke zu erfassen, habe der Vatikan als Diskriminierung verurteilt, betonte der Erzbischof. Nach Angaben des Heiligen Stuhls wird die Zahl der Sinti und Roma weltweit auf bis zu 36 Millionen geschätzt.

In Freising diskutieren von Montag bis Donnerstag 150 Teilnehmer aus 25 Nationen beim Weltkongress das Thema "Die jungen Zigeuner in der Kirche und in der Gesellschaft".